Auf dieser Seite haben Sie die Möglichkeit, sich näher über unsere Liturgie zu informieren. Im folgenden Text finden Sie ausführliche Inhalte, die Ihnen einen umfassenden Einblick geben.
Gleichzeitig stellen wir alle Informationen auch in leichter Sprache zur Verfügung.
So können die Inhalte einfach und gut verständlich gelesen werden.
Wählen Sie selbst, welche Form für Sie am besten passt.
Was bedeutet Liturgie überhaupt?
Wortbedeutung und Wortherkunft
Das Wort Liturgie stammt aus dem Griechischen λειτουργία leiturgía und ist zusammengesetzt aus dem Substantiv ἔργον érgon „Werk“ und dem Adjektiv λειτός leitós „zum Volk gehörig“. „Volkswerk“ – eine merkwürdige wörtliche Übersetzung –
ist zu verstehen als sämtliche Dienste, die zum Wohle des Volkes geleistet werden.
Der Begriff meinte zunächst das, was wir heute als Ausstattung durch die öffentliche Hand/die öffentlichen Mittel bezeichnen.
Seit dem 2. Jahrhundert vor Christus bezeichnet leiturgía auch den kultischen Dienst.
Was in der Bibel steht
In der Septuaginta (das ist die griechische Übersetzung des Ersten Testaments) ist der Tempeldienst der Priester und Leviten gemeint. Diese Bedeutung finden wir ebenfalls im Neuen Testament (Lk 1,23, Hebr 1,7.14; 10,11).
Im 2. Korintherbrief (2 Kor 9,12) ist damit eine caritative Tätigkeit gemeint, im Hebräerbrief 1,7.14 ist es der Dienst der Engel an den Gemeinden und in der Apostelgeschichte (13,2) Gottesdienst in dem Sinne, wie wir ihn verstehen.
Christus selbst wird im Hebräerbrief (8,2) als „Liturg des Heiligtums und des wahren Zeltes“ genannt und sein Mittlerdienst als Liturgie bezeichnet.
Geschichte
Leiturgía etabliert sich als Begriff ebenso für den Dienst für Gott wie auch als Dienst für die Gemeinde. Im griechisch sprechenden Osten wird damit zunehmend die Feier der Eucharistie bezeichnet (so werden orthodoxe Christ*innen ihn auch heute noch verstehen), im latainisch sprechenden Westen gibt es andere Worte wie: ministerium, officium, munus, opus, ritus, actio, celebratio, collecta, cultus, mysterium, sacramentum, servitium, sollemnitas.
Im 16. Jahrhundert wird der Begriff (überwiegend durch die Humanisten) im Westen gebräuchlich und im 17./18. Jahrhundert schließlich von den reformatorischen Kirchen.
Warum ist es wichtig, diese Entwicklung zu kennen?
Um zu verstehen, warum Gottesdienst im Ursprung so etwas wie „Volksdienst“ bedeutet. Im Gottesdienst kommt der sprachliche Gegensatz beider Worte zusammen:
Gottesdienst ist der Dienst Gottes an der Gemeinde. Gottesdienst ist ebenso Dienst der Gemeinde vor Gott.
Die beiden Wörtchen an und vor behalten wir im Hinterkopf.
Was bedeutet es für uns heute?
Liturgie existiert nicht um ihrer selbst willen. Wie dieser Dienst gestaltet wird, ist veränderbar, während der Dienst Gottes an der Gemeinde unveränderbar bleibt.
Vom Menschen her gedacht als Dienst vor Gott, unterliegt die Liturgie durchaus den Erfordernissen der Zeit. Wenn die Auswahl von stetigen Texten und Liedern/Liedstrophen den Menschen in den Gottesdienst hineinholen soll, muss verständlich sein, was gesagt, gebetet, gesungen wird.
So können sich Menschen ohne viel Hintergrundwissen auf den Gottesdienst einlassen, ihn mitfeiern, in ihm werden, was sie bereits sind: Geliebte Geschöpfe Gottes.
Die Schönheit der Gottesdienstfeier neu entdecken
Das ist ein Grund, warum wir die Liturgie in der Ev. Kirchengemeinde Oberbantenberg-Bielstein überarbeitet haben. Ein anderer Grund ist, dass sich bei uns mit der Zeit einige Gepflogenheiten entwickelt hatten und diese zum Teil unterschiedlich in unseren beiden Predigtstätten. Hinzu traten Erfordernisse in der Corona-Zeit.
Wir haben uns bei der Neufassung der Liturgie nun an der geltenden Ordnung für unierte Kirchengemeinden orientiert und werden sie verbindlich für alle Gottesdienstleitenden in der gesamten Gemeinde umsetzen.
Wir laden Sie ein, Liturgie mit uns neu zu lernen, Gottesdienst neu zu entdecken und mit ganzem Herzen zu feiern, zu singen, zu danken und Gott zu preisen.
Es tut sich was in Sachen Gottesdienst
Unsere Arbeit im Theologie- Kirchenmusik- und Gottesdienstausschuss hat uns einerseits viel Freude gemacht, weil wir selbst viel gelernt haben, andererseits sind wir gut in der Zeit, da das neue Evangelische Gesangbuch in absehbarer Zeit veröffentlicht werden soll. Es wird derzeit in ausgewählten Gemeinden erprobt.
Was tun wir ab Pfingsten 2026 konkret?
Ab Pfingsten wird es im aktuellen Gesangbuch einen Einleger geben, in dem der liturgische Ablauf nachvollzogen werden kann. Diese Einleger werden den Festzeiten im Kirchenjahr entsprechend ausgetauscht. Wir starten an Pfingsten mit dem Einleger für die Trinitatiszeit. Erfahren Sie hier mehr über das Kirchenjahr.
Was ist das Neue in unserer Liturgie?
Zunächst teilen wir den Gottesdienst zur besseren Übersicht in vier Teile ein:
A (Eröffnung und Anrufung) Vom Glockenläuten bis zum Tagesgebet
B (Verkündigung und Bekenntnis) Von der Lesung aus dem Alten Testament bis zur Predigt
C (Abendmahl) Vom Lied nach der Predigt bis zum Danklied nach dem Mahl
D (Sendung und Segen) Vom Lied nach der Predigt bis zum Orgelnachspiel
Teil A (Eröffnung und Anrufung)
Das Glockengeläut ruft Sie in unser Gotteshaus. Sie erhalten das Gesangbuch mit dem Einleger sofern keine Computer-Präsentation angeboten wird.
Im Teil A wird es künftig so sein, dass ein*e Presbyter*in nach dem Orgelvorspiel das Votum (Im Namen des Vaters…) spricht. Die Abkündigungen erhalten einen neuen Platz (im Teil D). Nach dem ersten Lied antwortet die Gemeinde auf die Salutatio („Der Herr sei mit Euch“) mit: „Und mit deinem Geist“.
Dann geht es weiter mit dem Psalm, der mit dem Gloria patri beantwortet wird: Hier haben wir uns auf drei Möglichkeiten geeinigt:
Das Sündenbekenntnis wird mit der Bitte um Erbarmen, dem Kyrie beantwortet, auch hier legen wir drei Möglichkeiten zugrunde:
Auf das Kyrie folgt der Gnadenspruch, der dann mit dem Gloria in Excelsis beantwortet wird. Auch hier haben wir drei Möglichkeiten zugrunde gelegt:
Der erste Teil des Gottesdienstes schließt mit dem Tagesgebet.
Teil B (Verkündigung und Bekenntnis)
In Teil B ist die alttestamentliche Lesung neu. Damit wird nun in unseren Gottesdiensten der Zusammenhang zwischen dem Alten und dem Neuen Testament viel deutlicher. Somit kommt auch das Halleluja nun an den Platz, der ihm zusteht: Es leitet das Evangelium in feierlicher Weise ein. Erhalten bleibt unser Schluss-Psalmvers nach dem Evangelium: Herr, dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Weg (PS 119,105). Auf das Evangelium antworten wir (auch das ist neu) mit einer Liedstrophe:
Entweder mit
oder
Anschließend bekennen wir gemeinsam unseren christlichen Glauben mit dem apostolischen Glaubensbekenntnis und singen gemeinsam ein Lied vor der Predigt.
Mit der Predigt schließt Teil B.
Teil C (Abendmahl)
Einmal im Monat mindestens feiern wir gemeinsam Abendmahl. In allen anderen Gottesdiensten geht es weiter mit Teil D.
Das Lied nach der Predigt führt zum Abendmahl hin. Anschließend folgt – das ist neu - die Abendmahlsbetrachtung, die mit dem Friedensgruß abschließt, bei dem wir unseren Banknachbar*innen die Hand reichen. Anschließend singen wir das Sanctus nach dieser Melodie.
Der Text: Du bist heilig, du bringst Heil,
bist die Fülle, wir ein Teil der Geschichte, die du webst,
Gott, wir danken dir, du lebst mitten unter uns im Geist,
der Lebendigkeit verheißt, kommst zu uns in Brot und Wein,
schenkst uns deine Liebe ein.
Du bist heilig. Du bist heilig. Du bist heilig. Alle Welt singe Dir Lob./
Halleluja, halleluja, halleluja – lobt Gott.
Danach werden die Einsetzungsworte gesprochen. Es wird darauf in gewohnter Weise mit EG 190.2 Christe du Lamm Gottes geantwortet. Ein kleiner Text zum Geheimnis des Glaubens führt die Gemeinde zum Vater Unser, das als Tischgebet gesprochen wird. Nun wird die Gemeinde nach Vorne gebeten und nimmt das Abendmahl ein. Auch hier gibt es eine Veränderung. Wir trennen uns von den kleine Trinkgefäßen. Es werden Oblaten ausgeteilt, die in roten Traubensaft oder weißen Wein getunkt werden (Intinctio). Das Saft oder Weingefäß wird entsprechend gekennzeichnet. Das Segenswort im Segenskreis, bei dem wir einander an den Händen halten, bleibt erhalten. Die Gottesdienstbesuchenden gehen zurück an ihre Plätze.
Der Teil C endet dann mit einem Dankgebet und der Liedstrophe
„Dank sei Dir Vater“ EG 227
Teil D (Sendung und Segen)
Im Gottesdienst ohne Abendmahl kommt an dieser Stelle zuerst das Lied nach der Predigt. Anschließend wird ein Presbyteriumsmitglied an dieser Stelle die Abkündigungen lesen. Die Amtshandlungen (Bestattungen, Trauungen, Taufen) der Woche werden von der*m Liturg*in übernommen, so dass dabei bereits aufgestanden werden kann. Die Fürbitten schließen sich an und werden mit dem Vater Unser abgeschlossen, wenn kein Abendmahl war. Die Gemeinde singt abschließend ein Segenslied und stellt sich unter den Segen Gottes. Wer mag, genießt noch das Orgelnachspiel. Am Ausgang freuen wir uns über Ihre Kollekten und auf ein baldiges Wiedersehen.
17.04.2026 |Text Pfarrerin Silke Molnár für das Presbyterium